Die staatliche Cannabisagentur

Die Aufgaben der staatlichen CannabisagenturDie staatliche Cannabisagentur ist eine Art Fachagentur, die zum “Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte”, kurz “BfArM” gehört. Sie wurde ins Leben gerufen, um den Anbau von Cannabis für medizinische Aufgaben in Deutschland sowohl zu steuern als auch zu kontrollieren. So beaufsichtigt sie alle Schritte, angefangen vom Anbau, der Ernte sowie der Verarbeitung über die Qualitätsprüfung, Lagerung und Verpackung bis hin zur Abgabe an Apotheker, Hersteller und Großhändler. Fußend auf einem europaweiten Ausschreibungsverfahren, vergibt die Cannabisagentur Aufträge an geeignete Unternehmen, die sich um den Anbau dieser Pflanze kümmern, wobei in der Ausschreibung alle rechtlichen Vorgaben im Rahmen der Arzneimittel sowie Betäubungsmittel berücksichtigt werden. Das erklärte Ziel der Agentur ist es, die Versorgung schwerkranker Menschen mit hierzulande angebautem, pharmazeutisch qualitativ hochwertigem Cannabis in reproduzierbarer Güte, sicherzustellen. Eine der weiteren wichtigen Aufgaben der Cannabisagentur besteht darin, die Umleitung des Hanfs hinein in den illegalen Markt zu verhindern.

Nach erfolgter Ernte wird der Cannabis jedoch nicht in das BfArM transportiert und auch nicht dort gelagert oder gar weiter verteilt. Diese einzelnen Schritte werden von speziellen anderen beauftragten Unternehmen übernommen. So entpuppt sich diese Agentur (beinahe) als ein reines Überwachungsorgan. Sie bestimmt allerdings den Abgabepreis für die Hersteller und verkauft ebenso den Hanf an Apotheken und Großhändler. Überschüsse oder gar Gewinne zu erzielen, ist der Cannabisagentur verboten, wobei im Rahmen der Preisgestaltung die innerhalb des BfArM anfallenden Sach- und Personalkosten berücksichtigt werden. Allerdings hat die Agentur auf den Preis, den Apotheken auf Cannabis erheben werden, keinen Einfluss. Die Vertriebswege der Hersteller sowie der Händler werden nach gesetzlichen Regelungen erfolgen, so dass diese mit den Vorschriften innerhalb des Vertriebes anderer betäubungsmittelhaltiger Medikamente identisch sein werden.

Cannabis als Arzneimittel: Jetzt bezahlt von den Krankenkassen

Nach Einschätzung von Experten sind erste Hanf-Ernten in Deutschland für das Jahr 2019 geplant. Bis der deutsche Anbau startet, soll, wie bisher, der Bedarf an Cannabis aus Kanada und den Niederlanden gedeckt werden.

Ungefähr 1.000 Menschen haben derzeit eine Ausnahmegenehmigung zum Konsum von Cannabis. Allein für diese Personen würden pro Jahr 365 Kilogramm oder ungefähr 10.000 Cannabis Pflanzen gebraucht. Die Mehrzahl der Mediziner geht jedoch davon aus, dass sowohl die Nachfrage als auch die Anzahl nach Therapien mit Cannabis aufgrund des neuen Gesetzes steigen wird. Dabei hängt es von der jeweiligen Diagnose des behandelnden Arztes ab, welchem Patienten er Cannabis verschreibt, und zwar nun auf Kosten der Krankenkassen.

Das Verfahren der Krankenversicherungen

Generell bekommen Cannabis ausnahmslos Schwerkranke, wobei es eine exakte gesetzliche Definition der entsprechenden Krankheitsbilder nicht gibt. Die Verschreibung kann immer dann erfolgen, wenn, laut Gesetz, eine nicht völlig entfernte Annahme auf einen positiven Effekt besteht. Im Gegensatz zur ursprünglichen Vorgabe, muss der Mediziner nun vor dem Verschreiben von Cannabis nicht alle anderen Möglichkeiten der Therapie ausgeschöpft haben. Bevor jedoch der Patient das Cannabis-Produkt in Händen hält, muss die Krankenkasse diese Behandlung genehmigen, wobei ihr jedoch lediglich drei Tage innerhalb einer ambulanten Palliativversorgung zur Verfügung stehen. Ansonsten bleiben bis zur Entscheidung der Kostenübernahme nach Antragstellung drei Wochen Zeit. Sollte gar der Medizinische Dienst hinzugezogen werden, dann gilt eine Zeitspanne von fünf Wochen. Wünscht der Patient einen sofortigen Therapiebeginn, dann ist dies nach dem jetzigen Wissensstand lediglich möglich, wenn der Arzt ein Privatrezept ausstellt.

Anonymisierte Daten für die Wissenschaft

Die Patienten müssen ihrerseits die Daten ihrer Therapie zur weiteren Erforschung der Wirkung von Cannabis, wenn auch anonym, offen legen. Diese Regelung ist erst einmal auf fünf Jahre begrenzt. Die anonymisierte Datenerhebung hat den Zweck, die bis heute dürftigen wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich der Sicherheit und der Wirkung dieser Pflanze zu verbessern. Auch sollen die Therapie- Details Aufschlüsse darüber geben, wie sich die spätere Entwicklung bezüglich eines fertigen Arzneimittels auf der Basis dieser Pflanze gestalten könnte.