Eigenanbau wegen Krankheit

Cannabis Anbau.Cannabis ist ein umstrittenes Produkt. Einerseits gilt es, als psychosomatische Droge, als gefährlich für die eigene psychische Gesundheit, soll abhängig und infolgedessen antriebslos machen. Andererseits dient der enthaltene Stoff THC als wirksames, natürliches Arzneimittel, für Krankheiten wie Multiple Sklerose, Rheuma, Morbus Cron und für Übelkeit bei Aids oder Krebs.

Teures Arzneimittel

Nach Angaben des BfArM haben 635 Patienten in Deutschland eine Ausnahmegenehmigung, Cannabis zur Eigenbehandlung erwerben zu dürfen. Das Medizinische Cannabis, welches man in der Apotheke kaufen kann, ist allerdings nicht billig. Ein Gramm des Arzneimittels kosten 15 Euro. Hochgerechnet auf einen Verbrauch von 3-4 Gramm pro Tag, zahlt ein chronisch kranker Patient um die 1800 Euro monatlich für sein Cannabis. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Neues Urteil

Die Klage eines chronisch erkrankten Mannes hat nun endlich im dritten Versuch in letzter Instanz Erfolg. Michale Fischer Rentner und kommt aus Mannheim. Er leidet unter Multipler Sklerose, weswegen er mit spastischen Lähmungen und schweren Depressionen zu kämpfen hat. Seit 1985 kuriert sich Fischer mit eigens angebautem Cannabis selbst. Zwei weitere Male versuchte er schon sich sein Recht auf Eigenanbau zu erklagen. Gesetzlich gesehen hat Fischer bis vor kurzem, mit seinen Pflanzen im Bad, eine Straftat begangen. Nun stimmte ihm das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig  durch ein Grundsatzurteil (Az. 3C 10.14) zu. Der Eigenanbau soll künftigt erlaubt sein, allerdings nur für chronisch erkrankte Personen. Wer eine Erlaubnis haben möchte, muss sie sich beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einholen.

Am 28. September 2016 erwirkte ein Mann aus Nordrhein-Westfalen über seinen Rechtsanwalt ebenfalls die Erlaubnis, Cannabis für den Eigenbedarf anzuabauen. Da es dem Mann aus finanziellen Gründen nicht möglich war, Cannabis-Produkte aus der Apotheke zu beziehen, darf er nur bis zu 130 Pflanzen im Jahr selbst züchten. Die Erlaubnis für den Eigenanbau gilt allerdings nur bis zum 30. Juni 2017, da aktuell ein Gesetz der Bundesregierung in Arbeit ist, wonach die Krankenkassen für Tropfen und Kapseln mit THC, sowie für Cannabisblüten die Kosten übernehmen sollen. Dadurch würde die Notwendigkeit des Eigenanbaus entfallen. 2017 sollen Schmerzpatienten Cannabis auf Kassenrezepte in der Apotheke erhalten können.