Gefahren beim Straßenverkauf

Der Handel mit Cannabis findet immer noch zum größten Teil auf dem Schwarzmarkt statt. Und der ist ein unsicheres und manchmal gefährliches Umfeld für geschäftliche Transaktionen. Beim Straßenkauf gehen Konsumenten ein hohes Risiko ein: Sie sind illegal unterwegs, erwerben häufig schlechte Produkte und haben bei Beschwerden in der Regel keinen kompetenten Ansprechpartner.

Auf der Straße ist Verbraucherschutz oft ein Fremdwort

Mediziner, Gesundheitsbehörden, Cannabisexperten und auch die Polizei warnen seit Jahren vor unsauberem Cannabis, das auf deutschen Straßen leider in Mengen verkauft wird. Unsauber und gefährlich werden Gras, Haschisch und Co. vor allem durch den Zusatz von Streckmitteln, die nicht nur das Gewicht und damit den Gewinn des Verkäufers erhöhen, sondern vielfach auch ernste Gesundheitsrisiken mit sich bringen.

Tatsächlich ist das Risiko für die Gesundheit höher einzustufen als das, beim Straßenkauf erwischt zu werden oder an einen unsympathischen, betrügerischen oder gewalttätigen Dealer zu geraten. Das geht sowohl aus den Statistiken als auch aus den Schlagzeilen hervor. Natürlich passiert es in einem illegalen bzw. kriminellen Verkaufsumfeld immer wieder, dass der Handel nicht seriös abläuft oder Käufer und Verkäufer tätlich aneinandergeraten. Doch weit häufiger werden Fälle publik, in denen Konsumenten schwere oder bleibende Schäden durch den Genuss von gestrecktem Cannabis erleiden.

Selbst Wasser ist kein harmloses Streckmittel, da feuchtes Marihuana unsauberer verbrennt und daher die Atemwege stärker belastet. Viel gefährlicher und leider keine Seltenheit sind Zusätze wie Haarspray, Henna, Salz, Zucker, Erbsenmehl, Sand, Talkum, Steinmehl oder gemahlenes Glas. Sogar Quecksilber und Blei, die den Körper auf Jahre hinaus vergiften, können beigemengt sein. Dazu kommen Pestizide und Düngemittel: Im Straßenverkauf gibt es weder Herkunftsnachweise noch Gütesiegel – und erst recht keine verlässlichen Angaben über Inhaltsstoffe.

Gängige Zusatzstoffe in Cannabis erkennen

Ein sehr weit verbreitetes Streckmittel ist Brix. Das ist eine Mischung aus Zucker und flüssigen Kunststoffen, die auf Marihuana (Gras) aufgebracht wird, um es schwerer zu machen und attraktiver aussehen zu lassen. Brix trocknet an den Blüten an und ist bei der Sichtkontrolle kaum zu entdecken. Wenn der Konsument später merkt, dass er unsauberes Gras gekauft hat, kann er sich üblicherweise nicht mehr beschweren oder das verunreinigte Produkt umtauschen, wie das bei legalem Erwerb möglich wäre.

Beim Zerreiben lässt sich Brix erkennen: Die behandelten Blüten ergeben einen schmierigen, dunklen Film, der auch auffällig riecht. Wird mit Brix getrecktes Gras geraucht, verbrennt es sehr unsauber und erzeugt dabei winzige Funken. Die Asche ist ölig und kann zu langen harten Würsten werden, anstatt flockig abzufallen wie bei unbehandeltem Cannabis.

Verdacht auf unsaubere Streckmittel besteht zudem immer bei unerwartet heftigen oder unvertrauten Nebenwirkungen, zum Beispiel Atemnot, Hals- und Kopfschmerzen, Erbrechen, Lähmungserscheinungen, Herzrhythmusstörungen oder geschwollenen Lymphdrüsen. Dann sollte der Arzt aufgesucht werden. Damit er helfen kann, ist Ehrlichkeit Pflicht. Ärzte sind an die medizinische Schweigepflicht gebunden und informieren auch nicht die Polizei, wenn ein Patient erzählt, dass seine Beschwerden mit dem Cannabiskonsum zusammenhängen.

Vorsichtig kaufen, verantwortungsvoll konsumieren
Wer glaubt, auf dem Schwarzmarkt gestrecktes Haschisch oder Gras gekauft zu haben, kann das Produkt von Experten untersuchen lassen, um gesundheitsgefahren auszuschließen. Entsprechende Anlaufstellen gibt es mittlerweile in vielen Städten, zum Beispiel bei den Drogenberatungsstellen. Es gibt auch mobile Teststationen, die vor allem in der Nähe von Discotheken, Festivals u. Ä. Schnelltests für Cannabisprodukte und andere Substanzen anbieten.

Grundsätzlich sind alle Ansätze für mehr Sicherheit und Verbraucherschutz beim Kauf und Verkauf von Cannabis begrüßenswert. Denn sie bieten verantwortungsvollen Konsumenten zumindest einige Möglichkeiten, die vielen Gefahren auf dem holprigen Weg zur Legalisierung und zum gefahrfreien Konsum zu minimieren.