Medizin

Die Verwendung von Cannabis in der Medizin

MedizinEs gibt einen Gesetzentwurf aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), nach dem die medizinische Hilfe für chronisch kranke Patienten in Zukunft durch einen einfacheren Zugang zu Cannabis verbessert werden soll. In bestimmten Fällen sollen die Kosten für entsprechende Therapien sogar von den Krankenkassen übernommen werden. Grund ist die aktuelle Situation, die die Verwendung von Cannabis in der Medizin noch stark einschränkt und das, obwohl die positive insbesondere gegen Schmerzen nachgewiesen ist.

Die aktuelle Rechtslage der Verwendung von Cannabis in der Medizin

Aktuell ist die medizinische Hilfe für Patienten sehr begrenzt, wenn es um die Verwendung von Cannabis zu therapeutischen Zwecken geht. Ärzte haben in Deutschland lediglich die Möglichkeit, das Fertigarzneimittel Sativex® auf einem Betäubungsmittelrezept zu verschreiben, bei dem es sich um ein Cannabis-Dickextrakt handelt. Gleiches gilt für die Präparate Marinol® mit dem Wirkstoff Dronabinol und Cesamet® mit dem Wirkstoff Nabilon, die von Apotheken aus den USA und Kanada importiert werden müssen. Der Wirkstoff Dronabinol steht außerdem als Substanz für Rezepturen zur Verfügung. Die Wirkstoffe Dronabinol und Nabilon dürfen nur im Zusammenhang mit einem sogenannten individuellen Heilversuch verwendet werden, wobei die Kosten von den Versicherten selbst getragen werden müssen.

Lediglich in Ausnahmefällen erhalten Patienten Medizinalhanf aus der Apotheke. Voraussetzung ist eine entsprechende Ausnahmegenehmigung, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ausgestellt wird. Medizinalhanf ist eine Hilfe im Rahmen einer Selbsttherapie, die ärztlich begleitet wird. Das Cannabisextrakt wird dabei von den meisten Patienten inhaliert, andere rauchen die Blüten oder brühen sie auf, um sie als Tee oral aufzunehmen.

Neuerungen

Im Januar 2016 wurde vom Bundesgesundheitsminister ein Gesetzesentwurf vorgestellt, wonach dei Krankenkassen für Tropfen und Kapseln mit THC sowie für Cannabisblüten die Kosten für chronisch kranke Patienten übernehmen sollen.

Die Bedeutung von Cannabis in der Schmerztherapie

Cannabis ist vor allem für die Behandlung von Schmerzpatienten eine wertvolle Hilfe und wird deshalb immer häufiger im Rahmen der Schmerztherapie eingesetzt. Für die Zukunft ist vorgesehen, dass die mit Cannabis behandelten Patienten nicht mehr die Erlaubnis des BfArM´s benötigen, sondern direkt vom behandelnden Arzt ein BtM-Rezept (Rezept für Betäubungsmittel) erhalten, wenn eine Schmerztherapie mit Cannabis geboten ist. Das lässt vor allem die Patienten hoffen, die starke Schmerzen haben und als “austherapiert” gelten. Mit Cannabis hätten sie eine reale Chance, von ihren Schmerzen befreit zu werden. Doch es sind nicht nur Patienten, die auf die Hilfe von Cannabis vertrauen. Das gilt auch für Mediziner und Gesundheitspolitiker, die auf die heilende Wirkung von Cannabis setzen, das nachweislich nicht nur Schmerzen lindert, sondern auch entzündungshemmend wirkt und weit weniger Nebenwirkungen zeigt als Opiate und Morphine.

Gute Heilerfolge mit Cannabis-Medikamenten

Medikamente, die Cannabis enthalten, entfalten nicht nur bei Schmerzen ihre positive Wirkung. Eine ähnlich gute Hilfe und positive Heilerfolge zeigt Cannabis auch bei multipler Sklerose, beim Tourette-Syndrom und bei der Augenkrankheit Grüner Star. Tatsächlich bietet Cannabis ein Heilpotenzial, das in Bezug auf die unterschiedlichen Krankheitsbilder erst noch umfassend erforscht werden muss. Noch fehlt es außerdem an aussagekräftigen Studien, die die Langzeitwirkung dokumentieren. Als medizinischer Wirkstoff wird Cannabis aktuell ausschließlich bei Patienten im fortgeschrittenen Alter eingesetzt und kaum bei Jugendlichen. Allerdings halten Schmerzmediziner das Suchtrisiko im Zusammenhang mit der medizinischen Hilfe durch Cannabis für sehr gering.

Staatlich kontrollierter Hanfanbau für medizinische Zwecke

Um schwerkranke Patienten mit Cannabis auf Rezept versorgen zu können, sieht der Gesetzentwurf vor, dass Hanf zu medizinischen Zwecken in Deutschland angebaut werden darf, allerdings nur unter staatlicher Kontrolle. Die staatliche Kontrolle des Hanfanbaus soll von der deutschen Arznei-Zulassungsbehörde und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte übernommen werden. Das BfArM wird den Züchtungsauftrag an private Anbieter vergeben, zum Beispiel an landwirtschaftliche Betriebe. Es ist davon auszugehen, dass ein entsprechendes Gesetz 2016 in Kraft treten wird.