Sicherheit durch Kontrolle

Sicherheit durch KontrolleDie Kontrolle des Verkaufs von Cannabis – das betrifft nicht nur den Bezug von Medizinalhanf, sondern auch den legalen Erwerb von Cannabisprodukten als Genussmittel. Der Verkauf von Marihuana und Haschisch in Coffeeshops oder speziellen Raucherclubs ist Deutschland nach wie vor verboten. Doch es gibt Pläne für Modellprojekte, und einige Städte haben bereits Anträge auf den regulierten Verkauf gestellt.

Kontrollierter Verkauf für mehr Sicherheit beim Cannabiskonsum

Eine Stadt, die einen Coffeeshop eröffnen will, muss den entsprechenden Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellen. Das haben in den letzten Jahren schon einige Städte immer wieder versucht, unter anderem Köln, Hamburg und Berlin. Ende 2015 wurde erneut ein Antrag abgewiesen, den Berlin-Kreuzberg gestellt hatte. Auch dort wird kontrollierter Verkauf von Cannabis also vorerst nur eine Idee bleiben. Den geplanten Coffeshop dürfen die Berliner nicht einrichten.

Die Befürworter solcher Projekte argumentieren mit der größeren Sicherheit, die ein kontrollierter Verkauf an definierten Abgabestellen ihrer Meinung nach bringen würde. Es geht nicht vorrangig darum, Cannabis als Rausch- und Genussmittel zu verkaufen, sondern um die Regulierung eines Handels, der ohnehin schon in großem Ausmaß stattfindet. Denn wer sich hierzulande Gras oder Haschisch kaufen möchte, muss nicht lange suchen: Sogar in kleineren Städten gibt es einen florierenden Schwarzmarkt, der in der Regel nicht schwer zu entdecken ist.

Sicherheit ist jedoch beim illegalen Straßenverkauf eher ein Fremdwort. So haben Käufer kaum eine Möglichkeit, sich vor gefährlichen Streckmitteln und Zusatzstoffen zu schützen, mit denen ein Großteil der verkauften Produkte verschnitten oder verunreinigt ist. Zudem müssen sich auch Menschen, die ein völlig normales Leben führen und nur hin und wieder Cannabis konsumieren, jedes Mal in die Illegalität begeben, um sich ein wenig Marihuana oder Haschisch für den Eigenbedarf zu besorgen.

Sicherheit für junge Menschen und Anwohner

Auf dem Schwarzmarkt sind auch Kinder und Jugendliche als Käufer willkommen, so lange sie Geld mitbringen. Und weil viele Dealer nicht nur Cannabis, sondern auch harte Drogen im Angebot haben, besteht ein hohes Risiko, dass junge oder unerfahrene Konsumenten beim Straßenkauf auch damit in Berührung kommen. Das ist eine zusätzliche Gefahr, die kontrollierter Verkauf eindämmen könnte: In einem Coffeeshop könnten Cannabisprodukte von geprüfter Qualität in einer Atmosphäre der Sicherheit und ausschließlich an Erwachsene verkauft werden.

Ein weiteres Argument ist die Sicherheit der Anwohner. In vielen Städten kommt es immer wieder zu Beschwerden, Anzeigen und Zwischenfällen, weil Dealer und Käufer auf der Straße nahezu ungehindert ihren Geschäften nachgehen. Viele Anwohner fürchten um ihre Sicherheit, den guten Ruf und die Lebensqualität ihres Viertels und wünschen sich mehr Schutz für ihre Kinder. Kontrollierter Verkauf in Vierteln mit hoher Schwarzmarktaktivität könnte zumindest einen Teil der unerwünschten Aktivitäten aus dem Straßenbild verschwinden lassen. Die Befürworter glauben sogar, den Schwarzhandel von Cannabis durch die regulierte Abgabe weitgehend austrocknen zu können.

Dem Bundesinstitut reichen solche Argumente jedoch nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass Cannabis zwar verboten, aber trotzdem fast überall einfach zu bekommen ist. Die Behörde ist nach wie vor der Ansicht, Cannabis stelle eine grundsätzliche Gefahr dar, vor der die Bevölkerung geschützt werden müsse. Tatsächlich werden erst praktische Erfahrungen zeigen, ob kontrollierter Verkauf den Schutzzweck des Betäubungsmittelgesetzes nicht noch besser erfüllen und für größere Sicherheit beim Konsum sorgen könnte.