Synthetische Cannabinoide

Die Herstellung synthetischer Cannabinoide im Labor. In den 1980er Jahren entwickelte der amerikanische Chemiker John W. Huffman synthetische Cannabinoide mit dem Ziel, chronisch kranken Menschen zu helfen. So sollte diese Substanz besonders wirksam und weitaus gezielter Krämpfe lösen und Schmerzen lindern. Es entstanden circa 450 synthetische Cannabinoide, wobei einige in Versuchen an Mäusen tatsächlich auch die erwünschte Wirkung zeigten. Allerdings wurde diese Erfindung nicht zu im Handel erhältlichen Medikamenten weiterentwickelt.

Der Albtraum eines jeden Wissenschaftlers

Stattdessen gelangten Huffmans Forschungen in die falschen Hände einiger Drogenhändler, die sich seine Publikationen beschafften und nun diese Droge anhand seines Rezeptes zubereiteten. Daraufhin bekam der Chemieprofessor im Jahr 2006 einen Anruf und zwar von der US amerikanischen Strafverfolgungsbehörde, die ihm mitteilte, dass seine Droge auf dem europäischen Markt aufgetaucht sei. Ein Experte hatte seine Substanzen nämlich in Rauschmittelpäckchen entdeckt, die als Kräutermischungen deklariert waren und als deren Hersteller sich die Londoner Firma “Psyche Deli” herausstellte. Die Mixturen waren unter anderem mit der Substanz JWH-018 getränkt, einem aus Huffmans Repertoire äußerst einfach herzustellenden Cannabinoid. Damit hatte der amerikanische Chemiker, ohne es zu wollen, einen neuen Drogenmarkt aus der Taufe gehoben und dazu noch ein Absatzgebiet geschaffen, das sich- bis auf den heutigen Tag- nicht in den Griff bekommen lässt!

Der Kern des Problems

Das deutsche Betäubungsmittelgesetz verbietet ausschließlich bereits bekannte Drogen, wie zum Beispiel den in Cannabis vorkommenden Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) sowie seit 2011 ebenso die in K2 und Spice enthaltenen Substanzen. Jedoch reicht der Arm des Gesetzes nicht zum Verbot der vielen neuen Cannabinoide, die jedes Jahr in großer Vielfalt zu Tage treten. Der Dreh- und Angelpunkt ist: Solange diese Stoffe nicht vom Gesetz registriert werden, zählen sie sogar zu den “Legal Highs”, was übersetzt “legale Drogen” bedeutet.

Ein Baukasten mit unzähligen Kombinationsmöglichkeiten

Es sei, nach Meinung der Experten, kein Kunststück, diese Cannabinoide herzustellen. Hier genügt lediglich eine kleine Änderung an der Struktur der Moleküle, so dass aus einer verbotenen Substanz ein neuer nicht verbotener Stoff wird, der die gleiche Wirkung aufweist, ohne vom Gesetz erfasst zu sein. Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen:

Der Kern des JWH-018 wird von dem Molekül Indol gebildet. Dieses wiederum setzt sich unter anderem aus einem Stickstoff- Teilchen sowie acht Kohlenstoffen zusammen. Wenn nun einer der Kohlenstoffe durch ein weiteres Stickstoff-Atom ausgetauscht wird, so ist das Ergebnis das Molekül Indazol, das sich genauso gut als Cannabinoid-Baustein eignet wie das erwähnte Indol.

Das Gesetz hinkt immer ungefähr ein Jahr hinterher

Der Kundige kann neue synthetische Cannabinoide einfacher und schneller herstellen, als sich das Betäubungsmittelgesetz aktualisieren lässt. So stammt die letzte Änderungsverordnung mit der erweiterten Liste um rund 30 neue Substanzen aus dem Jahr 2013. Das Tückische daran: Solange diese Substanzen nicht verboten sind, kann der Staat auch nicht gegen den Handel mit ihnen vorgehen. Auch stufen viele Menschen Legal Highs daher als harmlos ein, da sie der Meinung sind, dass das, was nicht verboten ist, auch nicht schädlich sein kann. Dies ist leider jedoch ein gefährlicher und darum fataler Irrtum, da synthetisches Cannabis weitaus schädlicher ist als das natürliche.

Synthetische Cannabinoide: Die Wirkung

Der natürliche Cannabis-Wirkstoff bringt das Nervensystem durcheinander, da er sich wahllos an die Gehirn Rezeptoren anheftet. Jeder, der diese Droge schon einmal konsumiert hat, kennt dessen Auswirkungen: Es kommt ein friedliches und entspanntes Gefühl auf, das jedoch mit fehlender Konzentration, Hunger und Antriebslosigkeit einher geht.

Synthetische Cannabinoide besitzen zwar eine ähnliche dreidimensionale Struktur wie das bereits erwähnte THC und heften sich dabei auch an diese Rezeptoren, jedoch weitaus stärker als dies bei THC der Fall ist. Das genannte Cannabinoid JWH-018 weist beispielsweise eine Affinität aus, die zehnmal so groß zu dem CB1 Rezeptor ist wie THC mit den Folgen eines besonders heftigen Rauschs sowie weitaus bedrohlicheren Nebenwirkungen.