Versorgungslage der Patienten

Aktuelle Versorgungslage der PatientenAnstatt Klarheit zu bringen, sprechen Fachleute aktuell von untragbaren Situationen von Cannabis-Patienten, nicht zuletzt hervorgerufen durch ein Kostenübernahme-Chaos bei den Krankenkassen sowie aufgrund von Liefer-Engpässen hinsichtlich des für medizinische Zwecke nutzbaren Hanfs und somit einer äußerst schlechten Versorgungslage.

Nach einer Bewertung des Deutschen Hanfverbandes wuchs seit dem Inkrafttreten des Gesetzes die Zahl der Patienten eklatant, die Cannabis aus medizinischen Gründen konsumieren. Bis Anfang Juli gingen beispielsweise bei der Techniker Krankenkasse 863 Anträge ein, von denen 522 genehmigt wurden. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen verzeichneten 3.300 Anträge (Tendenz steigend, nach Aussagen einer Sprecherin), wobei die Hälfte bewilligt wurde. Die Zahl der Patienten, die sich seit März 2017 ein Cannabis-Rezept von einem Arzt auf Selbstzahlerbasis ausstellen ließen, ist nach Aussagen des Deutschen Hanfverbandes ebenso unbekannt, wie die Zahl der abgelehnten Anträge. Auch die Anzahl der Betroffenen, die bei vielen kleinen Versicherungsgesellschaften eine Kostenübernahme beantragt haben, liegt im Dunklen. Expertenschätzungen zufolge könnte es sich um mehrere tausend Patienten handeln.

Die Versorgungslage ist für die Patienten angespannt

Meldungen zufolge ist die Zufuhr von Cannabis für Betroffene derzeit aufgrund von Lieferengpässen nicht zufriedenstellend. Patienten- Aussagen auf einschlägigen Foren lassen die Vermutung zu, dass sich diese Lage auch innerhalb der nächsten sechs bis acht Wochen nicht verbessern wird. So berichten Betroffene übereinstimmend, dass ihre Apotheken von deutschen Großhändlern für medizinischen Hanf erfahren haben, dass sie kein Cannabis liefern könnten und frühestens für Mitte August eine Besserung in Sicht sei. Ausschließlich Apotheken, die sich im Vorfeld mit einem Cannabis-Vorrat eingedeckt haben, können noch einige Sorten aus den Niederlanden anbieten. Dagegen sind elf der in Kanada produzierten Cannabis-Sorten, bis auf ein paar vereinzelte Restbestände, zurzeit überhaupt nicht mehr lieferbar.

Schlechte Versorgungslage: Cannabis Vorrat sinkt, die Zahl der Patienten steigt

Während in den Apotheken beinahe kein Cannabis mehr erhältlich ist, hat sich unterdessen die Zahl der Patienten um ein Vielfaches gesteigert. Eine Ursache des Engpasses besteht auch darin, dass deutsche Unternehmer beim Anbau gezwungen werden, Kooperationen mit internationalen Betrieben einzugehen, denn es werden Erfahrungen im Anbau von medizinischem Hanf vorausgesetzt. Eben diese Kenntnisse besitzen jedoch deutsche Unternehmen nicht.

Nach der Gesetzesänderung: Hohe Preise für medizinischen Cannabis

Der Preis pro Gramm hat sich seit der Gesetzesänderung nach Aussagen von Experten beinahe verdoppelt. Sie sehen diese Tatsache als das größte, nicht vorhersehbare Problem der Apotheken an, ein Umstand, der sich sowohl bei den Krankenkassen als auch für die Patienten auswirke. Dieser immense Anstieg der Preise, so die Fachleute, sei die Folge einer Gesetzesdefinition. Denn nun werden die Hanfblüten als “Arzneistoff” und nicht mehr als “Fertigarzneimittel” definiert. Das führt dazu, dass die Apotheker die Dosen nicht einfach so weitergeben, wie sie sie geliefert bekommen. Sie müssen die Verpackungen öffnen, den Inhalt kontrollieren und umpacken. Je nach Rezept-Angaben sind sie sogar gehalten, die Blüten zu mahlen und zu portionieren. Für diese Tätigkeiten gelten feste Preise beziehungsweise Aufschläge. Das wiederum führt dazu, dass den Apothekern, anders als vor der Gesetzesänderung, kein Spielraum beim Preis bleibt. Betrug der geringste Preis je Gramm vor der Änderung des Gesetzes ungefähr 12,50 Euro, so liegt er nun bei mindesten 21,00 Euro pro Gramm.

Deutsche Patienten müssen sich einschränken

Aktuell sind Betroffene in Deutschland ganz und gar von importierter Ware abhängig. Sie erhalten lediglich das, was im Rahmen der kanadischen sowie der niederländischen Cannabis-Anwendungen nicht benötigt wird, weil natürlich die Bedarfsdeckung einheimischer Patienten innerhalb der Cannabis-Anbau-Programme Priorität hat. Da in Kanada die Legalisierung von Cannabis bevorsteht, wird sich dieses Problem aller Wahrscheinlichkeit nach noch weiter verschärfen. Denn für dieses Land werden für Juli 2018 schon heute Engpässe vorausgesagt. Dazu kommt, dass es für die kanadischen Hersteller viel unbürokratischer ist, den heimischen Markt zu versorgen, anstatt langwierige Ex- und Importgenehmigungsprozesse in Kauf nehmen zu müssen.

Sollte sich die Versorgungslage bis zum Jahr 2019 nicht bessern, dann haben die Cannabis-Patienten, die derzeit vor den Gerichten klagen, große Chancen, den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken zukünftig in Eigenregie realisieren zu können.